Kurzgedichte (2019)
Mal Fantasie, mal Realität, mal kindliche Unschuld – all das sind Fragmente meiner Seele.
Nennen wir sie vorläufig einfach Kurzgedichte.
Fantasie
《Der Mond》
Der Mond hat geniest und dabei unzählige Sterne an den Himmel gepustet.
《Die Toilette》
Die Nervenenden des Ozeans.
《Ohne Titel》
Vögel schwimmen am Himmel, Fische fliegen im Meer.
《Die Sonne weiß》
Die Sonne weiß, dass wir die Dunkelheit fürchten, deshalb zündet sie uns jede Nacht eine Laterne an: den Mond.
Die Sonne weiß, dass wir uns einsam fühlen, deshalb bringt sie uns jedes Mal, wenn sie erscheint, einen Schatten als Begleiter.
《Das Bett》
Das Bett ist eine Zeitmaschine. Schließt du die Augen, reist du in die Zukunft.
《Der Geschmack des Sonnenlichts》
Jeder Bissen Nahrung, den wir zu uns nehmen, ist eigentlich der Geschmack des Sonnenlichts.
《Das Bett》
Ein offener Sarg.
《Scharf》
Das SM der Lebensmittelwelt.
《Essen》
Der Henker des Appetits.
Kindliche Unschuld
《Kinderspaß》(Teil eins)
Ich erinnere mich an meine Kindheit: Ich konnte die Augen weit öffnen und direkt in die Sonne schauen. Danach war ich blind.
《Kinderspaß》(Teil zwei)
Ich saß oft an den unebenen Stellen einer Lehmwand oder inmitten von kleinen Grashalmen auf Blumenbeeten. Ich hockte mich hin, konzentrierte mich und schaute genau hin. Ich tauchte in meine eigene Welt ein. Und als ich aufstand, fiel ich um.
《Kinderspaß》(Teil drei)
Sommermücken wie Donner, tausende oder hunderte. Danach bin ich verrückt geworden.
《Ohne Titel》
Jemand wie ich, der manchmal sogar vergisst, sich selbst zu füttern, ist nicht geeignet, kleine Tiere zu halten. Es wäre wohl eher so, dass die kleinen Tiere mich aufziehen müssten.
《Abenteuer》(Eine kleine Geschichte, Fortsetzung folgt)
Ein Schwert auf dem Rücken, ein paar Bonbons in der Tasche, und einem kleinen Hund folgen, der unaufhörlich mit dem Schwanz wedelt – schon kann das Abenteuer beginnen.
Wenn der Hunger kommt, gibt es Bonbons; wenn der Durst plagt, frisches Quellwasser. Wenn die Nacht hereinbricht, suchen wir einen sehr, sehr großen Baum, machen darunter ein Lagerfeuer und legen uns mit dem Hündchen nah an die Flammen. Wir schauen zu den unzähligen Sternen am Himmel, lauschen dem Knistern des Holzfeuers und dem Schnarchen des Hündchens – und ehe wir uns versehen, schlafen wir schon ein.
Realität
《Aller Anfang ist schwer》
Aller Anfang ist schwer, außer bei der Geburt von Kindern.
《Sozialphobie》
Allergisch gegen Menschen.
《Arbeiten gehen》
Legaler Blutverkauf.
《Rente》
Das Blut der jungen Leute.
《Sozialismus》
Pflicht-Blutspende.