Ein Ausflug nach Lamma Island
Eine eigentlich ungeplante Reise entpuppte sich unerwartet als unvergessliches Erlebnis.
Raus aus dem Hongkonger Stadtzentrum, weg von den Menschenmassen, der drückenden Hitze und den erdrückenden Hochhäusern! Mit der alten Doppeldeckerfähre, die von Aqua empfohlen wurde und vom Aberdeen Pier ablegt, erlebte ich eine ganz besonders angenehme Fährfahrt. Es war herrlich kühl durch den Fahrtwind, und die freie Sicht auf das Meer war unvergleichlich – ganz anders als der Blick durch die trüben Scheiben moderner Fähren.
Nach der Ankunft auf dem besonderen Lamma Island fand ich dank Aquas detaillierten Anweisungen problemlos ihr Haus. Ein entzückendes, elegantes und einzigartiges blau-weißes Doppelhaus, dessen Eingangsbereich von einer Fülle wunderschöner Pflanzen umgeben war. Drinnen erwartete mich ein sehr gemütliches Zuhause, komplett eingerichtet, mit vielen Büchern (auch wenn sie nicht ganz meinem Lesegeschmack entsprachen) und unzähligen charmanten kleinen Dekorationen und Möbelstücken. Man sah sofort, dass die Gastgeberin das Leben zu genießen versteht. Aqua war unglaublich herzlich, rücksichtsvoll und aufmerksam; sie zeigte mir auch viele schöne Routen, um die Insel zu erkunden. Ich grüßte auch Aquas Nachbarin, eine Französin, und verbrachte etwas Zeit mit ihrem großen Hund.
Von Sok Kwu Wan aus ist der Lo So Shing Strand in etwa zwanzig Minuten zu Fuß erreichbar. Dort kann man einen perfekten Sonnenuntergang erleben. Es sind kaum Menschen unterwegs, der Strand ist makellos sauber und die Landschaft atemberaubend schön. Es war tatsächlich das erste Mal, dass ich einen so wunderschönen Strand sah.
Am nächsten Tag brach ich zu einer fast zweieinhalbstündigen Inselwanderung auf. Der Aufstieg zum Gipfel dauerte etwa eine Stunde. Unterwegs war es durch die direkte Sommersonne wirklich anstrengend. Doch die körperliche Erschöpfung war schnell vergessen, als ich die wohl schönste Landschaft erblickte, die ich in meinem bisherigen Leben je gesehen hatte. Was für eine perfekte kleine Insel!
Und bevor es mittags zum Wandern ging, hatte Aqua noch eine Stunde Yoga im Wohnzimmer gemacht. Danach saß sie auf dem Balkon am Eingang, trank Tee, träumte vor sich hin und sonnte sich mit dem großen Hund der Nachbarn, umgeben von Grün. Was für ein wunderbar entspanntes Wochenende! Ich dachte mir, jemand, der das Leben so zu genießen weiß, muss auch ein ganz besonders liebenswerter Mensch sein.
Am Abend gingen Aqua und ich plaudernd noch einmal zum Lo So Shing Strand. Unterwegs unterhielt sie sich geschickt auf Kantonesisch und Englisch mit alten Bekannten und kannte sogar die Namen jedes Hundes, dem wir begegneten. Während wir plauderten, im Wasser spielten und den Sonnenuntergang am Strand bewunderten, lernten wir uns gegenseitig viel besser kennen. Sie ist eine wirklich beeindruckende und interessante Frau, die an einer Hongkonger Universität Literaturforschung betreibt, vor drei Jahren vom Stadtzentrum auf die Insel gezogen ist und erst letzten Monat einen Monat lang in Paris wohnte, um die Olympischen Spiele zu verfolgen. Später kochten wir zusammen: Ich bereitete mein Spezialgericht, geschmortes Hühnchen mit Reis (Huang Men Ji Mi Fan), zu, und sie briet Schnittlauch mit Ei. Wieder ein köstliches und sättigendes Mahl. Wir sprachen über viele Dinge, hatten eine wunderbare Unterhaltung und ich war überglücklich, eine so tolle neue Freundin kennengelernt zu haben.
Das gesamte Erlebnis war fantastisch, jedes Detail war aufmerksam und durchdacht. Die Schönheit und Stille der Insel, gepaart mit der Gemütlichkeit von Aquas Haus, schaffen fernab der Stadt eine wahre Wohlfühloase. Abgesehen vom Reisen eignet sich dieser Ort auch hervorragend für alle, die eine Weile Ruhe suchen, um zu entspannen, zu meditieren, zu lernen, zu lesen, zu forschen oder zu schreiben – ein wirklich wunderbarer Ort, um Körper und Geist zu erholen. Aqua ist zudem ein unglaublich netter Mensch; man kann ihr voll und ganz vertrauen.
Kurz gesagt, dies war eine absolut unvergessliche Reise. Die Landschaften, die Menschen, denen ich begegnete, das Wetter und das Essen – all das waren unverzichtbare Bausteine dieser unvergesslichen Erfahrung. Ich bin überaus dankbar für dieses Erlebnis.
